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13. Filmfest St. Anton am Arlberg
Berge - Menschen - Abenteuer

28. August bis 1. September 2007


BERG heil – Uli Wiesmeiers provozierende Bildergeschichten

Die Sonderausstellung des FILMFESTS ST. ANTON
vom 28.08. – 01.09.2007 im ARLBERG-well.com

Er ist fraglos einer der Großen der Bergfotografie. Hat 30 Jahre lang die Objektive seiner Kameras auf die Schönheiten der Landschaften und auf die Ästhetik des Extremsports gerichtet. Hat dabei die persönlichen Erfahrungen im Sport und in der Verbundenheit zu den Bergen und der Natur einfließen lassen. Seine Bücher „Rocks around the World“ (für die fotografische Umsetzung des Sportkletterns reiste er zusammen mit Stefan Glowacz einmal rund um den Globus) und „Wing over“ (hier ist es sein wahr gewordener Traum vom Fliegen), haben Qualitätsmaßstäbe gesetzt, an die nicht leicht heranzukommen war.

„Irgendwann aber schien mir in Sachen Bergfotografie alles getan“, sagt Wiesmeier zurückschauend. „Das ganze Genre hat sich in einer Endlos-Spirale wiederholt...“
Sein Weg führte zunächst in die Werbung. Für einen der größten Unterwäschehersteller Südamerikas machte er ein Aufsehen erregendes Dessous-Shooting inmitten der Hauptstadt von Paraguay. Dann kamen Marken wie Adidas, Sony und die Hypovereinsbank, und sie machten sich Wiesmeiers Kreativität und Perfektion zunutze.

Seine Hinwendung zum Film mag ebenfalls als Ausbruch aus der Schublade „Bergfotografie“ zu werten sein, träfe die Sache aber nicht auf den Punkt. Wiesmeier genügt es schon lange nicht mehr, auf der ewigen Spirale unterwegs zu sein; er sucht nach Entwicklungen, nach immer neuen Möglichkeiten, seine Gedanken zum Gebirge, zum Sport und zu gesellschaftlichen Veränderungen in Bilder zu fassen. Seine auf vielen Festivals gezeigten und prämierten Filme „Escape“ (1996) und „The Race“ (2003) sind Belege für seine Suche.

Was er derzeit im Alpinen Museum in München präsentiert und dann – während des Filmfests – in St. Anton, ist aber nicht mehr Suche, ist Finden im wahrsten Sinn des Wortes. „Berg Heil“ heißt seine Ausstellung. 18 Großformate, 150 mal 100 Zentimeter. Alpine Klischees, provozierend und bedrückend gut.

„Die Veränderung der Gesellschaft ist ein Thema, das mich von Jahr zu Jahr immer mehr beschäftigt, um nicht zu sagen beängstigt. Was ist passiert mit den mir so ‚heiligen’ Bergen? Gibt es sie überhaupt noch? Oder werden sie erdrückt von diesem Massenansturm samt Vollkasko-, Vollpension- und Vollrausch-Mentalität?“
Überlegungen, die immer mehr von ihm Besitz ergriffen. Er suchte – und fand – den richtigen Weg, diese Thematik fotografisch umzusetzen.
„Eine Dokumentation erschien mir zu nahe liegend, nichts Neues. Vielmehr schwebte mir eine Bildsprache vor, der ich mich in erster Linie in der Werbefotografie bediene. Ja, es sollte eine Werbekampagne für die Berge werden. Und der Mensch sollte ausnahmsweise einmal gar nicht gut wegkommen. Das Ganze gewürzt mit der richtigen Dosis Satire.“

In der Sprache der Werbefotografie inszenierte Wiesmeier sechzehn verschiedene Themen, alle mit höchstem Aufwand. Jedes Motiv wurde vor Ort, nicht am Computer in Szene gesetzt, jedes erzählt vor grandioser Bergkulisse seine eigene Geschichte. Entstanden sind die außergewöhnlichen Interpretationen von Klischees, die allgegenwärtig sind.
„Der weiße Rausch“ lässt das Skivergnügen zu einem versoffenen Aprés-Ski-Event verkommen, die „Bergnot“ wird zu einer Allegorie auf den Vollkaskotourismus unserer Zeit – wer sich das Knie aufschlägt, braucht nur per Handy die Retter zu rufen.
Von geradezu grausamer Schönheit ist Wiesmeiers Abgesang auf das „Letzte Edelweiß“: Wie der Caterpillar-Fahrer von seinem Monstrum steigt – auch er nur ein kleines Rädchen im Getriebe der gnadenlosen Gewinnmaximierung, ein Nobody im gewaltigen Zerstörungswerk –, und wie er mit großen Händen und einem Rest an Sensibilität, die man ihm erst einmal gar nicht zutrauen möchte, das letzte Edelweiß pflückt, bevor die Stahlschaufel aus aller Natur eine üble Wüste macht ...

Wie sagt Uli Wiesmeier: „Eine Werbekampagne für die Berge sollte es werden“. Zugleich aber ist es ein Fanal des fortschreitenden Untergangs, und damit sind nicht nur ökologische Aspekte gemeint.

Das vielleicht beklemmendste Bild trägt den idyllischen Titel „Heidi“: Im Hintergrund die einsame Almhütte, der eigenbrötlerische Almöhi. Im Vordergrund ein halbwüchsiges Mädchen, dessen Körpersprache und dessen Blick vieles erzählen, aber nichts, überhaupt gar nichts von Idylle. Ein Motiv, das an Ausdrucksstärke nicht zu überbieten ist. Und das, wie die anderen von Wiesmeiers „Geschichten“ auch, den Rahmen des rechteckigen Fotoformats sprengt: da fängt ein Film im Kopf zu laufen an – bei jedem Betrachter ein anderer.

Es gibt wieder etwas, über das jenseits aller opulenter Kalender- und sensationsheischender Sportfotografie zu reden sein wird: Berg Heil.


(Abdruck mit freundlicher Genehmigung des DAV Panorama 2/2007)


Informationen und Reservierungen:
tel: +43(0)5446-22690, fax: +43(0)5446-2532
mail: info@stantonamarlberg.com
www.stantonamarlberg.com