24.8.'15

Hält der Mikrokeil?

Eine 40 Meter lange Route im oberen zehnten UIAA Grad, winzige mobile Sicherungen, eine glatte Wand mit dünner Rissspur, extrem hohes Sturzpotential – Babsi Zangerl kann schon so manche große Touren auf ihr Konto verbuchen, da passt Beat Kammerlanders Route „Prinzip Hoffnung“ an der Bürser Platte gut dazu. Die Tirolerin ist noch dazu die erste Frau, die diese Route im Vorstieg klettern konnte.

Barbara Zangerl
Barbara Zangerl

Die Bürser Platte kennt sie schon lange, schon sechs oder sieben Jahre, damals war „Prinzip Hoffnung“ noch eine eingebohrte Sportkletteroute. Erst als Beat Kammerlander die Bohrhaken wieder herausnahm, wurde die Route zum clean-climbing-Erlebnis der besonderen Art. „Man sichert die Route mit Mikro-Keilen ab, das sind ganz kleine Keile, und mit Camalots [Klemmgeräten].“ Anfangs wollte Babsi Zangerl die Route nicht klettern, doch als ihr Freund Jacopo Larcher sie ins Auge fasste, fing auch sie Feuer.
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„Das Schwierigste war der erste Vorstiegsversuch, den inneren Schweinhund zu überwinden und das erste Mal ins Seil zu fallen.“ Und weiter erzählt sie ganz gelassen: „Du weißt, wenn du die ersten 10 Meter fällst, fällst du auf den Boden und kannst dir richtig wehtun. Wenn du weiter oben fällst und die Sicherungen nicht halten, fliegst du die Wand hinunter, aber nicht bis zum Boden.“ Sie sagt aber auch, dass die zahlreichen Flugmeter in die kleinen Sicherungen doch an den Nerven gezerrt haben.

„Als ich mit Nina Caprez den „Silbergeier“ probiert habe, sind wir beim ersten Versuch nicht einmal bis zum ersten Stand gekommen. Ich gehe eben immer wieder zurück, bis es irgendwann klappt.“

Und das Besondere an so einer Route? „Die Wand ist für mich einzigartig. Wenn man davor steht, denkt man sich, wie soll man da eine Sicherung hineinbringen? Außerdem hat die Route einen hohen Stellenwert, weil es einfach eine der wenigen schweren selbst abzusichernden Routen in Österreich ist.“ Und natürlich auch, weil es ihre bisher schwerste Route an mobilen Sicherungen war, und sie anfangs gar nicht wusste, ob diese Route für sie möglich ist.

Möglich ist für Babsi Zangerl vieles. Sie ist die erste Frau, die die drei schweren Routen der „Alpentrilogie“ kletterte. Mit „Des Kaisers neue Kleider“ (8b+), „Silbergeier“ (8b+) und „End of Silence“ (8c) vereint sie die schwersten gebohrten Mehrseillängen-Touren der Alpen. Doch der Start dieses anfänglich gar nicht geplanten Projekts war alles andere als glücklich: „Als ich mit Nina Caprez den „Silbergeier“ probiert habe, sind wir beim ersten Versuch nicht einmal bis zum ersten Stand gekommen.“ Aber liegengelassen hat Barbara Zangerl noch nie etwas, und sie bezeichnet sich selbst als stur: „Ich gehe eben immer wieder zurück, bis es irgendwann klappt.“

Barbara Zangerl eröffnet mit Hannes Mairs Film „Prinzip Hoffnung“ am 26.8. das 21. Filmfest St. Anton.
Text: Sabine Aigner

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